Den Pressespiegel zur Demonstration am 21.01.2017 finden Sie hier.

Gemeinsame Pressemitteilung

„Wir haben Agrarindustrie satt!“: 18.000 Bauern und Bürger fordern Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik

130 Traktoren aus ganz Deutschland führen Demonstration an / Bündnis fordert in 9-Punkte-Plan tier-, umwelt- und klimagerechten Umbau der Landwirtschaft

Berlin, 21.1.17. Parallel zur Grünen Woche zogen heute bei der „Wir haben es satt!“-Demonstration 18.000 Menschen für Bauernhöfe und den tier- und umweltgerechten Umbau der Landwirtschaft durch das Berliner Regierungsviertel. Angeführt von 130 Traktoren drückten die Demonstranten unter dem Motto „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“ lautstark ihren Protest gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft aus. Bereits am Morgen hatten konventionell und ökologisch wirtschaftende Bauern am Bundeslandwirtschaftsministerium neun Forderungen zur Bundestagswahl überreicht. Der Tenor des 9-Punkte-Plans: Die gravierenden Krisen in der Landwirtschaft erfordern nicht folgenloses Reden, sondern entschlossenes Handeln.

„Wir fordern ein Ende der Subventionen für die Agrarindustrie und den Stopp von Mega-Fusionen im Agrarsektor. Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften“, sagt Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses, dem mehr als 100 Organisationen aus Landwirtschaft, Imkerei, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz, Entwicklungsorganisationen und dem Lebensmittelhandwerk angehören. Fritz weiter: „Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt muss endlich dafür sorgen, dass die bäuerlichen Betriebe vom gesellschaftlich gewollten Umbau hin zu einer ökologischeren, tierfreundlicheren Landwirtschaft profitieren. Herr Schmidt darf nicht noch mehr Zeit verlieren und muss Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie machen!“ Außerdem fordern die Demonstranten im Wahljahr unter anderem die konsequente Förderung von Bauernhöfen sowie die drastische Reduzierung von Pestiziden und Antibiotika.

Das Bündnis kritisiert, dass aufgrund fehlgeleiteter Agrarpolitik in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100.000 Bauernhöfe aufgeben mussten. Außerdem belaste die deutsche Agrarpolitik, insbesondere durch übermäßige Fleischproduktion, die Umwelt und das Klima und zerstöre durch Dumpingexporte kleinbäuerliche Strukturen überall auf der Welt. Gleichzeitig formierten sich immer größere, global agierende Konzerne. In der Fusion der Chemiekonzerne Bayer und Monsanto sieht das Bündnis eine große Bedrohung, da künftig mehr als 60 Prozent des Saatgut- und Agrochemiemarktes von drei Mega-Konzernen beherrscht würden. Die Kartellbehörden müssten verhindern, dass bäuerliche Betriebe und Konsumenten von patentiertem Saatgut abhängig werden. Auf dem Traktor eines Brandenburger Bauers war zu lesen: „Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!“

An der Spitze des Demonstrationszuges liefen zahlreiche junge Bäuerinnen und Bauern, die einen Hof gründen wollen. Ihnen fehlt aber vielfach der Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarem Boden. Julia Rupp, 26-jährige Bäuerin aus Honhardt in Baden-Württemberg, sagte: „Als junge Generation wollen wir eine Zukunft auf dem Land, uns werden aber zu viele Steine in den Weg gelegt. Wir brauchen dringend ein Agrar-strukturgesetz, das Landkauf- und Pachtrechte bevorzugt an junge Bäuerinnen und Bauern gibt, nicht an Investoren. Wir müssen den Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft und des Lebensmittelhandwerks aufhalten, sonst kommt es zum Strukturbruch. Unsere Lebens- und Ernährungsgrundlage lassen wir uns nicht von Agrarkonzernen wegnehmen!“

Die Demonstration richtet sich gegen die Agrarindustrie, nicht aber gegen konventionelle Landwirte. Seit sieben Jahren praktiziert „Wir haben es satt!“ den Dialog zwischen Zivilgesellschaft, konventionellen und Öko-Bauern sowie Lebensmittelhandwerkern, um gemeinsam Wege für eine bäuerliche Zukunftslandwirtschaft zu finden.

Fotos zur kostenfreien Verwendung in Kürze unter: http://flic.kr/s/aHskPWC4D7 (Urheber: „www.wir-haben-es-satt.de/Die Auslöser Berlin“)

Pressekontakt:
Christian Rollmann, „Wir haben es satt!“-Presseansprechpartner, presse(at)meine-landwirtschaft.de, Mobil: 0151 51245795
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9-Punkte-Plan von „Wir haben es satt!“ im Wahljahr 2017


BAUERNHÖFE STATT AGRARINDUSTRIE

  • Subventionen an Agrarkonzerne stoppen und die Agrarwende konsequent fördern: Jährlich 500 Millionen Euro mehr in bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft investieren. Anreize für besonders artgerechte Tierhaltung und umweltschonendere Bewirtschaftung schaffen!
  • Vielfalt der Bauernhöfe erhalten: Kleine und mittlere Betriebe fördern!
  • Bauernhöfe stärken: Bis 2020 mindestens 50 % der öffentlichen Beschaffung aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft!

GESUNDES ESSEN STATT UMWELTVERSCHMUTZUNG UND TIERLEID

  • Für gesundes Essen und besonders artgerechte Tierhaltung: Tierschutzgesetz ohne Ausnahmen umsetzen! Bis zum Jahr 2020 Antibiotika um mindestens 50 % reduzieren! Antibiotikamissbrauch sofort stoppen und Reserveantibiotika in der Tierhaltung verbieten!
  • Wasser und Klima schonen: Überdüngung stoppen, Obergrenzen für Viehbestand einführen und Tierzahl an die Fläche binden!
  • Artenvielfalt erhalten und Bienensterben stoppen: Pestizideinsatz massiv reduzieren! Keine Gentechnik durch die Hintertür!


DEMOKRATIE STATT KONZERNMACHT

  • Konzernmacht beschränken: TTIP, CETA und EPAs verhindern! Megakonzerne im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor aufbrechen und keine weiteren Fusionen zulassen! Kennzeichnungspflicht für Tierhaltung, Gentechnik im Futter und Herkunft bei allen Lebensmitteln!
  • Für mehr globale Gerechtigkeit: Agrarexporte reduzieren, bäuerliche Erzeugung und regionale Märkte weltweit stärken und Entwicklungszusammenarbeit agrarökologisch ausrichten!
  • Für faire Erzeugerpreise: Überschussproduktion durch Marktregulierung beenden! Heimisches Eiweißfutter fördern!


Weitere Informationen: www.wir-haben-es-satt.de/aufruf
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Statements von Rednerinnen und Rednern der Demonstration:


Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):
„Die jetzige Agrarpolitik ist verantwortlich für das Höfesterben, für Umweltschäden und den Artenschwund. Eine Agrarwende, die Bauern wieder eine Zukunft gibt, ist längst überfällig. Die Tierhaltung muss so gestaltet sein, dass sie gesellschaftliche Akzeptanz findet. Alle demokratischen Parteien sind gefordert, einem Weiter so in der Landwirtschaft eine klare Absage zu erteilen und die nötigen Reformen endlich in Angriff zu nehmen.“


Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:
„Wir erleben einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wertewandel im Umgang mit Tieren in der landwirt-schaftlichen Erzeugung, und nicht zuletzt deshalb muss die Politik reagieren. Das Tierschutzgesetz lässt immer noch die millionenfache Qual von Tieren in landwirtschaftlicher Haltung zu: Männliche, lebensfähige Küken werden vernichtet, Ferkel immer noch unbetäubt kastriert und Millionen Tieren werden Körperteile amputiert, um sie leidvollen Haltungssystemen anzupassen. Das alles haben wir satt!“


Christoph Bautz, Geschäftsführer von Campact:
„Eine beängstigende Welle von Fusionen rollt um den Globus. ChemChina übernimmt Syngenta, Dow Chemical Dupont und zuletzt Bayer Monsanto. Das ist nichts anderes als eine feindliche Übernahme – unserer Böden, unseres Saatguts, unseres Trinkwassers und unseres Essens. Doch diese feindliche Übernahme trifft heute hier auf unseren Widerstand.“


Miriam Mayet, African Center for Biodiversity, Südafrika und Partnerin von Brot für die Welt:
„Nicht Konzerne ernähren uns, sondern die Bäuerinnen und Bauern der Welt. Daher müssen die Fusionen von Bayer-Monsanto und der anderen Konzerne verhindert werden. Sonst droht in vielen Staaten der Verlust der Saatgutsouveränität. Wir brauchen endlich die konsequente Förderung der alternativen Saatgutarbeit, von der Bäuerinnen und Bauern und agrarökologischer Züchter auf der ganzen Welt täglich leben. Die Regierungen müssen endlich handeln und die Macht der Konzerne begrenzen.“


Hans Bartelme, Bauer aus Baden-Württemberg und Naturland-Vertreter:
„Die Landwirtschaft befindet sich in einer ökonomischen und ökologischen Krise und sie verliert die Akzeptanz der Bevölkerung. Bio zeigt erfolgreich seit vielen Jahrzehnten, wie es anders geht! Die Politik muss die große Nachfrage nach heimischen Bio-Produkten nutzen und mehr Bauern die Chance zur Umstellung auf Ökolandbau ermöglichen. Dazu müssen die Weichen konsequent auf Bio gestellt werden.“


Georg Janssen, Bundesgeschäftsführer Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL):
„Wir Bäuerinnen und Bauern stellen uns der großen Herausforderung: Eine flächendeckende, umwelt- und klimaschonende Landwirtschaft mit tiergerechter Haltung zu schaffen. Dabei muss die Vielfalt der Höfe erhalten werden und viele kleine, mittlere und große Betriebe müssen wirtschaftlich mitgenommen werden. Unsere Partnerin ist nicht Agrarindustrie, wir setzen auf die Zivilgesellschaft.“
Anke Kähler, „Die Freien Bäcker“, Initiatorin des Aufrufs von LebensmittelhandwerkerInnen:
„Wir wollen gute Lebensmittel ohne Gentechnik und Pestizide für alle. Die Konzentrationsprozesse im Agrar- und Ernährungssektor und die bürokratischen Reglementierungen des Handwerks haben wir satt! Wir stehen ein für: transparente, faire und selbstbestimmte Wertschöpfungsketten vom Saatgut bis zum Brot. Dafür gehen wir heute gemeinsam mit KollegInnen aus anderen Gewerken auf die Straße.“


Guido Grüner, Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg, seit 2011 Träger der Demonstration:
"Alle sollen sich gentechnikfrei, gesund, nachhaltig und mit menschenwürdig erzeugten Lebensmitteln ausgewogen ernähren können! Dafür braucht ein Erwachsener viel mehr als die 4,50 Euro, die aktuell im Hartz-IV-Satz für Nahrung enthalten sind. Wir fordern daher, das Arbeitslosengeld II allein schon für eine gute Ernährung um gut 100 Euro anzuheben, also auf deutlich über 500 Euro."
Karen Hansen-Kuhn, Institute for Agriculture and Trade Policy, USA:
“Hunderttausende demonstrieren dieser Tage in den USA gegen die reaktionäre Politik der neuen Regierung und im Kongress. Gemeinsam hat es die Zivilgesellschaft geschafft, dass die transpazifischen und transatlantischen Handelsabkommen TTIP und TPP auf Eis gelegt wurden. Auch in Zukunft werden wir Wi-derstand gegen diese schlechten Abkommen leisten sowie für gutes Essen und gute Landwirtschaft auf der ganzen Welt eintreten.“


Matthias Brümmer, Gewerkschaft Nahrung – Genussmittel – Gaststätten (NGG):
„Die Selbstverpflichtung der Arbeitgeber in der Fleischindustrie ist gescheitert, sie bauen eben keine Stammbelegschaften auf und arbeiten weiter mit Werkverträgen. Selbstverständlich ist es richtig, dass mit den Tieren vernünftig umgegangen wird, jedoch bezweifeln wir die Sinnhaftigkeit des Tierschutzlabels. Denn wer mit seinen Beschäftigten nicht gut umgeht, der wird  auch bei den Tieren sich nicht vorbildlich verhalten.“

Fotos vom Bauern- und Imkerprotest zur freien Verwendung unter Angabe der Quelle "wir-haben-es-satt.de". Ein Klick auf das Bild führt zu der Version in hoher Auflösung. Alle Fotos finden Sie hier: Flickr

Pressemitteilung

„Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!“

Bauern und Imker demonstrieren vor Berliner Bayer-Sitz für eine bäuerliche und bienenfreundliche Landwirtschaft

Berlin, 18.01.2017. Heute Morgen demonstrierten Bauern und Imker im Schulterschluss mit engagierten Bürgern gegen die geplante Elefantenhochzeit von Bayer mit Monsanto vor dem Berliner Sitz der Bayer AG. Wenige Tage vor der „Wir haben es satt!“-Demonstration brachten die 50 Demonstranten mit einem Traktor und einem zehn Meter langen Anhänger, auf dem „Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!“ zu lesen war, ihre Wut gegen die fortschreitende Konzentration im Saatgut- und Pestizidbereich zum Ausdruck. Einer der anwesenden Imker, die in ihrer Berufskleidung mit Bienenkästen und Smokern gekommen waren, hatte eimerweise tote Bienen mitgebracht, um auf das dramatische Bienensterben hinzuweisen.

Die Kritik der Demonstranten: Der Agrar- und Chemieriese Bayer-Monsanto würde bei erfolgreicher Fusion über rund 30 Prozent der Marktanteile des weltweiten Saatgut- und Agrochemiemarktes verfügen. Diese kritische Marktkonzentration würde die freie Saatgutwahl von Millionen Bauern gefärden, die Bedrohungen für Mensch, Umwelt, Biene und Co. durch die Agrarindustrie würden weltweit steigen. Nicht nur Monsanto, sondern auch die Bayer AG macht mit der Agrarsparte Bayer Crop Science weltweit Geschäfte mit Pestiziden und dem passenden, gentechnisch manipulierten Saatgut. Der Konzern hält viele Patente auf Pflanzen und Tiere, außerdem ist er mit der Verbreitung von Insektiziden wie Neonikotinoiden maßgeblich verantwortlich für das verheerende Bienensterben.

Bei der Protestkundgebung sagte Heinz Günther Klaas, Ackerbauer und Saatgutvermehrer aus Wiesenhagen in Brandenburg: „Die geplante Fusion von Bayer und Monsanto bedroht nicht nur die Saatgutvielfalt, sondern auch die Existenz vieler Bauern! Als Saatgutvermehrer will ich auch in Zukunft freies Saatgut ohne Gentechnik nutzen können. Es ist eine Anmaßung, dass Megakonzerne wie Bayer und Monsanto versuchen, Patente auf mein Saatgut anzumelden. Unsere Schöpfung darf nicht patentiert werden. Ich sage: ‚Bayer und Monsanto, Finger weg von unserem Saatgut!‘“

Imker Günther Jesse aus Werneuchen in Brandenburg erklärte: „Wenn Bienen vom Land in Städte flüchten, dann läuft etwas gewaltig schief. Bayer und Monsanto stehen für eine Landwirtschaft mit immer höherem Pestizideinsatz. Als Imker wollen wir gesunden Honig aus blühenden Landschaften erzeugen. Die geplante Fusion lehnen wir ab!“

Jochen Fritz, Nebenerwerbslandwirt aus Werder und Mitorganisator der „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration rief zur Teilnahme an der Demonstration auf: „Alle, die sich für eine bäuerliche und bienenfreundliche Landwirtschaft einsetzen und gesundes Essen für alle wollen, sollten am Samstag zur Demonstration kommen. Ich fordere die Bundesregierung, die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und das Bundeskartellamt auf, die Megafusion im Interesse der Bevölkerung zu verhindern. Bayer und Monsanto, Finger weg von unserem Essen!“

Die Demonstration beginnt am 21.1. um 12 Uhr am Potsdamer Platz in Berlin und steht unter dem Motto „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“. Die 100 aufrufenden Organisationen haben im Wahljahr neun Forderungen für die Agrar- und Ernährungswende vorgelegt.

Fotomaterial zur kostenfreien Verwendung in druckfähiger Qualität ab 12 Uhr unter www.wir-haben-es-satt.de/presse

Pressekontakt:
Christian Rollmann, „Wir haben es satt!“, Mobil: 0151-51245795, Mail: rollmann(at)meine-landwirtschaft.de

Pressemitteilung

Krisen in der Landwirtschaft: Minister Schmidt konzept- und tatenlos

„Wir haben es satt!“-Bündnis stellt im Wahljahr neun Forderungen für eine bäuerliche, ökologische, wirtschaftliche und soziale Agrar- und Ernährungswende vor

Berlin, 16.01.2017. Wenige Tage vor der „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration, zu der auch im siebten Jahr viele tausende Teilnehmer erwartet werden, ziehen die Veranstalter eine ver­heerende Bilanz der Amtszeit von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Der Zusammen­schluss aus Bauern, handwerklichen Lebensmittelherstellern und zivilgesellschaftlichen Organisatio­nen wirft dem Minister Konzeptlosigkeit auf ganzer Linie vor. Seit seinem Amtsantritt vor fast drei Jahren habe sich der CSU-Politiker den Herausforderungen im Agrarbereich nicht gestellt und keine ernsthaften Schritte unternommen, um die schweren Krisen der Landwirtschaft zu überwinden. Da­her wollen die rund 100 aufrufenden Organisationen im Wahljahr 2017 eine neue Agrar- und Ernäh­rungspolitik auf die politische Agenda setzen. In Berlin stellen die Organi­satoren heute neun Forde­run­gen für Bauernhöfe statt Agrarindustrie, für gesundes Essen und Demokratie statt Konzernmacht vor.

Die Lage in der Landwirtschaft ist nach wie vor dramatisch: In den letzten zehn Jahren haben mehr als 100 000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland aufgegeben. Die kleinen und mittle­ren Bau­ernhöfe sind die Leidtragenden dieser fatalen Entwicklung, für die der Minister mit seiner Politik des Wegschauens verantwortlich ist. Ulrich Jasper von der Arbeitsge­meinschaft bäuer­liche Landwirt­schaft, erklärt: „Mit Christian Schmidt haben wir leider den schwächsten Landwirt­schaftsminister der letzten Jahrzehnte. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der es wichtiger denn je ist, die Probleme in der Landwirtschaft gemeinsam anzupacken. Wir stehen vor einem aufwändigen Umbau hin zu einer zukunftsfähigen, umweltfreundlichen und das Tierwohl beach­tenden bäuerlichen Landwirtschaft. Doch der Minister stellt weder die finanziellen Mittel zur Verfü­gung noch schafft er Orientierung oder konkrete Angebote. Er lässt Bauern und Gesellschaft mit den Aufgaben alleine.“

Jedes Jahr zur Grünen Woche kündigt Bundesminister Schmidt symbolträchtige Projekte an, die bei genauerer Betrachtung kaum Substanz haben. Dabei ist die Aufgabenliste des Ministers lang: Anstelle des angekündigten freiwilligen Tierwohl-Labels ist eine Tierhaltungs- und Herkunfts-Kenn­zeichnung mit klaren Kriterien und finanziellen Anreizen für tiergerechte Haltungsbedingungen dringend nötig. Das Artensterben schreitet wegen der Intensivland­wirtschaft und des flächendeckenden Einsatzes von Pestizi­den immer weiter voran. Das höchst umstrittene Gentechnikgesetz muss klare Vorgaben ma­chen, statt mit einem „Flickenteppich“ Gentechnik durch die Hintertür auf deutsche Äcker zu brin­gen. Auch in der lang anhaltenden Milchkrise muss der Erhalt vieler tau­sender Betriebe sichergestellt werden. Der Minister sollte Partei für die Vielfalt von Betrieben im ländlichen Raum ergreifen und endlich den Schulterschluss mit der Agrarindustrie beenden.

Matthias Brümmer von der Gewerkschaft Nahrung, Genussmittel und Gaststätten (NGG), der auf der Auftaktkundgebung der Demonstration sprechen wird, kritisiert die prekären Arbeits­verhält­nisse in der Fleischindustrie. Trotz des Mindestlohns und der Selbstver­pflichtung der deutschen Fleischin­dustrie hat sich an der Summe der Werk­vertragsar­beiter fast nichts verändert. Brümmer erklärt: „Die wachsende Konzentration in der Fleisch­wirtschaft wird bei der NGG mit Sorge gesehen. Noch vor 15 Jahren spielte die deut­sche Fleisch­industrie in Europa kaum eine Rolle, heute steht sie an erster Stelle und baut ihre Vormachtstel­lung weiter aus. Viele eu­ropäische Gewerkschaftsverbände beklagen diese Entwick­lung, die dazu geführt hat, dass bereits mehrere zehntausend Arbeitsplätze vernichtet worden sind. Ein Ende ist nicht absehbar.“

Die Tendenz zu Megaställen lässt sich insbesondere im Be­reich der Schweinefleischproduktion nachvollziehen. Hier haben seit 2010 rund 60 Prozent der Schweine hal­tenden Bauern aufgegeben, während gleichzeitig die Tierzahl pro Betrieb um 144 Prozent an­gestie­gen ist.

Um die Missstände in der Land- und Ernährungswirtschaft zu überwinden, legt das „Wir haben es satt!“-Bündnis zum Wahljahr 2017 neun Forderungen für eine neue Agrarpolitik vor: So fordern die Demonstranten etwa, bis 2020 müssen 50 Prozent der öf­fentlichen Beschaffung aus regio­naler und ökologischer Landwirtschaft kommen. Außerdem muss der Antibiotikaeinasatz bis 2020 halbiert und Reserveanti­biotika verboten werden. In Intensivtierhaltungs­gebieten sollen die Tierbe­stände redu­ziert werden und die Tierhaltung an die Betriebsfläche ge­bunden werden, um weitere Klagen wegen Verletzung der europäischen Nitratrichtlinie zu verhin­dern. Antje Kölling von Demeter erläutert eine weitere Forderung: „Die Bundesregierung muss jetzt dringend handeln! Sie kann z.B. jährlich 500 Mil­lionen Euro von der Flächenprämie für eine ökologische und tierge­rech­tere Landwirtschaft umschich­ten – das hat sie selbst in der Hand. Bauern ernähren uns und pflegen unsere Landschaft, dafür müs­sen sie fair be­zahlt werden. Statt auf mehr Einkommen aus Exporten zu setzen, muss der Landwirt­schaftsmi­nister für mehr Wertschätzung, für regionale Wirtschaftsstruktu­ren und für engere Beziehun­gen zwischen Stadt und Land sorgen.“ Deutschland habe eine globale Verantwortung und dürfe nicht weiter mit Dumpingexporten kleinbäuerliche Strukturen im Süden zerstören.

„Am meisten freut mich, dass die Demonstration in diesem Jahr von einem Block Jungbäuerinnen und Jungbauern angeführt wird, die sich für eine Zukunft auf dem Land einsetzen“, sagt Jochen Fritz, Or­ganisator der „Wir haben es satt!“-Demonstration. „Auch freut mich, dass unsere Debatten nach sie­ben Jahren mittlerweile nicht nur in der Mitte der Ge­sellschaft, sondern auch in der Branche ange­kommen sind. Wir zeigen einen Weg auf, bei dem Bauern, Verarbeiter und Verbraucher profitieren. Jetzt ist die Politik am Zug und muss dem gesellschaftlich gewollten Umbau hin zu einer sozial gerech­ten, tier- und umweltfreundlichen Landwirtschaft konsequent umsetzen.“

Die „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration wird von tausenden Bäuerinnen und Bauern – konventionell und bio – getragen, von denen viele mit Traktoren aus dem gesamten Bundesge­biet anreisen. Zusammen mit rund 100 Organisationen aus der Zivilgesellschaft treten sie für eine Land­wirtschaft und Lebens­mittelpolitik ein, in der Bauern fair entlohnt werden und sich alle Menschen gesund ernähren kön­nen. Der Auftakt der Demonstration findet am Samstag, den 21.1.17 um 12 Uhr am Potsdamer Platz statt. Alle Menschen, die sich für gute Landwirtschaft und gesundes Essen ein­setzen, sind herz­lich willkommen an der Demonstration teilzunehmen.     

Pressefahrplan: www.wir-haben-es-satt.de/pressefahrplan

 

Für Rückfragen:

Ulrich Jasper, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Mobil: 0160-94804331, Mail: jasper(at)abl-ev.de
Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG, Region Oldenburg/Ostfriesland, Mobil: 0160-4716206, Mail: region.oldenburg(at)ngg.net
Antje Kölling
, Politik und Öffentlichkeitsarbeit, Demeter e.V., Mobil: 0157-58249201, Mail: antje.koelling(at)demeter.de
Jochen Fritz, Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“/“Wir haben es satt!“, Mobil: 0171-8229719, Mail: fritz(at)meine-landwirtschaft.de

Pressekontakt: Christian Rollmann, „Wir haben es satt!“, Mobil: 0151-51245795, Mail: rollmann(at)meine-landwirtschaft.de

Presseinformation

Zum Auftakt des Wahljahrs: „Wir haben es satt!“-Demonstration richtet neun Forderungen an die nächste Bundesregierung


Motto der Großdemonstration am 21.01.17 in Berlin: „Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“ / Zentrale Themen: ungebremstes Höfesterben, Monsanto-Übernahme durch Bayer und Patente auf Lebensmittel und Saatgut


Berlin, 22.11.2016.
„Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“ – unter diesem Motto werden am 21. Januar 2017 wieder Zehntausende in Berlin bei der 7. „Wir haben es satt!“-Demonstration für die Agrar- und Ernährungswende auf die Straße gehen. Bestimmendes Thema ist erneut das Höfesterben, das unverändert dramatische Dimensionen hat. In den letzten zehn Jahren mussten mehr als 40.000 Milchviehbetriebe und 64.000 Schweine haltende Höfe aufgeben – eine Trendumkehr ist nicht abzusehen. Im Fokus der Proteste steht auch die geplante Fusion von Bayer und Monsanto. Schon jetzt halten die beiden Konzerne eine Vielzahl von Patenten auf Leben, Saatgut und Pflanzen. Bei einer erfolgreichen Fusion würde der künftige Megakonzern auf einen Schlag zum globalen Marktführer im Bereich Pestizide und Saatgut. Die Demonstranten befürchten, dass der Konzern durch seine Monopolstellung noch mehr Macht über die Ernährungsgrundlagen der Welt erhalten würde. Sie kritisieren insbesondere, dass Bayer-Monsanto mit Saatgut, das nur gegen seine eigenen Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat resistent ist, alternativlos für Bauern werden will.

Jochen Fritz, Organisator der Demo und Landwirt im Nebenerwerb, erklärt: „Wer die Saat hat, hat das Sagen - dieses alte bäuerliche Sprichwort ist heute immer noch richtig. Die Fusion von Bayer und Monsanto ist eine Gefahr für uns alle. Die Bundesregierung darf nicht länger zusehen, wie immer weniger Konzerne immer mehr Macht über unsere Teller und Äcker erhalten. Deswegen muss die Elefantenhochzeit von Bayer und Monsanto gestoppt werden! Nach der Wahl im Herbst erwarten wir von der nächsten Bundesregierung, dass sie die Agrarwende konsequent umgesetzt. Wir Bauern und Verbraucher sagen: Konzerne wie Bayer-Monsanto, Nestlé und Aldi dürfen nicht länger über unser Essen bestimmen!“

Man wolle die Agrarwende zum zentralen Thema im Wahlkampf machen, heißt es im Demonstrationsaufruf. 2017 sei ein Jahr der Entscheidungen: „Weiterhin Steuermilliarden für Agrar- und Chemieindustrie, Großgrundbesitz und Tierfabriken? Oder werden die regionale Landwirtschaft und das Lebensmittelhandwerk sowie Tier- und Umweltschutz gefördert?“, fragen die Veranstalter. Mit Blick auf die Wahl richten sie neun konkrete Forderungen an die zukünftige Bundesregierung. Ihre Absicht dabei: kleine und mittlere Bauernhöfe erhalten, den Weg zu gesundem Essen und mehr Tierwohl ebnen und Konzernmacht eindämmen.

Konkret fordern die 45 Trägerorganisationen unter anderem:

  • Jährlich 500 Millionen Euro mehr in bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft investieren sowie Anreize für besonders artgerechte Tierhaltung und umweltschonendere Bewirtschaftung schaffen!
  • Bis 2020 mindestens 50 % der öffentlichen Beschaffung aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft!
  • Tierschutzgesetz ohne Ausnahmen umsetzen! Bis zum Jahr 2020 Antibiotika um mindestens 50 % reduzieren, Antibiotikamissbrauch sofort stoppen und Reserveantibiotika in der Tierhaltung verbieten!
  • Megakonzerne im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor aufbrechen und keine weiteren Fusionen – wie die von Bayer mit Monsanto – zulassen!

Den Aufruf und die neun Forderungen finden Sie hier: www.wir-haben-es-satt.de/aufruf

Termine:

Montag, 16.01.17, 10 Uhr
Pressekonferenz zur Demonstration
Ort: Berliner Pressekonferenz, Reichstagufer 14, 10117 Berlin

Samstag, 21.01.17, ab 8.30 Uhr
Traktorkonvoi
mit Durchfahrt bei der Bayer -Zentrale und beim Bundeslandwirtschaftsministerium

Samstag, 21.01.17, 12 Uhr
Demonstration „Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“
Auftakt: Potsdamer Platz, Berlin
Abschlusskundgebung: ab ca. 14 Uhr, Brandenburger Tor

www.wir-haben-es-satt.de

Hintergrund:
Seit 2011 kommen alljährlich zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche zehntausende Menschen – Bäuerinnen und Bauern, Lebensmittelhandwerker, Tier-, Umwelt- und Naturschützer, Aktive der Entwicklungszusammenarbeit und kritische Konsumenten – bei eisigen Temperaturen in Berlin zusammen, um für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft zu demonstrieren. Die Demonstration wird getragen von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis aus mehr als 45 Organisationen. Zum Trägerkreis gehören der BUND, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Brot für die Welt, Campact, Misereor, der Deutsche Tierschutzbund und viele mehr.
Weitere Informationen: www.wir-haben-es-satt.de/traeger

Für Rückfragen:
Christian Rollmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kampagne „Meine Landwirtschaft“ Tel.: 030-28482438, Mobil: 0151-51245795, Mail: presse@meine-landwirtschaft.de

Fotos vom 2. "Wir haben es satt!"-Kongress in druckfähiger Qualität
(zur freien Verwendung unter Angabe der Quelle: Wir haben es satt!/Die Auslöser Berlin)

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Pressemitteilung

Starkes Zeichen für gutes Essen und gute Landwirtschaft

500 TeilnehmerInnen beim 2. „Wir haben es satt!“-Kongress / Zum Abschluss symbolisches Tauziehen um die Lebensmittelerzeugung unter dem Motto: „Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“ / Demonstration in Berlin am 21. Januar 2017

Berlin, 3.10.2016. Zum Abschluss des „Wir haben es satt!“-Kongresses veranstalteten die TeilnehmerInnen auf dem Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg ein symbolisches Tauziehen um die Agrar- und Ernährungswende. Bauern und in Tierkostümen verkleidete AktivistInnen riefen dabei in Richtung der Konzernvertreter von Bayer, Monsanto und Aldi, die versuchten sie über den Tisch zu ziehen: „Hände weg von unserem Essen!“ Der 2. „Wir haben es satt!“-Kongress fand seit Freitag in der Emmauskirche am Lausitzer Platz statt. 500 TeilnehmerInnen diskutierten vier Tage lang über Lebensmittelerzeugung, globale Machtverhältnisse und gesundes Essen. Zusammen mit dem Stadt Land Food-Festival, auf dem sich Besucher in zahlreichen Werkstätten über das Lebensmittelhandwerk informierten, setzten Zehntausende rund um die Markthalle Neun ein Zeichen für bäuerliche, handwerkliche Lebensmittelerzeugung und gesunde Lebensmittel.

Jochen Fritz, Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ und Organisator der „Wir haben es satt!“-Demonstration, sagte: „Der Kongress war ein voller Erfolg. Wir wollen, dass die Agrarwende das zentrale Thema im Bundestagswahljahr wird, dafür gehen wir am 21. Januar 2017 wieder auf die Straße!“

Leonie Dorn von Aktion Agrar appellierte am Rande des Tauziehens an die EU-Kommission: „Die EU-Wettbewerbskommissarin Vestager muss die geplante Fusion von Bayer und Monsanto verhindern, denn schon heute haben die Megakonzerne viel zu viel Macht über unsere Ernährungsgrundlagen!“

Bildmaterial von der Aktion in druckfähiger Qualität (kostenfreie Nutzung, Urheber: Wir haben es satt!/Die Auslöser Berlin)

 

Pressekontakt
Christian Rollmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kampagne „Meine Landwirtschaft“, Tel: 030-28482438, Mobil: 0151-75142515, Mail: rollmann(at)meine-landwirtschaft.de 

Gemeinsame Pressemitteilung von Stadt Land Food-Festival und „Wir haben es satt!“-Kongress

Drei Tage bäuerliche Landwirtschaft und handwerkliche Lebensmittelerzeugung: Ein Fest und ein Kongress für gutes Essen im Herzen Berlin-Kreuzbergs / Zehntausende Besucher erwartet

Berlin, 1.10.2016. Zum Auftakt von „Wir haben es satt!“-Kongress und Stadt Land Food-Festival sprachen sich heute Veranstalter, Bauern und Referenten für eine bäuerliche Landwirtschaft und regionale, handwerkliche Lebensmittelerzeugung aus. Ihre Botschaft: Sie sind die Voraussetzung für die notwendige Agrar- und Ernährungswende – und gehören schon heute zu Berlin. Der „Wir haben es satt!“-Kongress und das Stadt Land Food-Festival finden bis einschließlich 3. Oktober rund um den Lausitzer Platz in Berlin-Kreuzberg statt.

Sabine Toepfer-Kataw, Staatssekretärin für Verbraucherschutz in Berlin, betonte die Wichtigkeit beider Veranstaltungen für Berlin: „Wir wollen den Menschen Lust machen auf gute Lebensmittel. Deswegen begrüßen wir es, dass man sich auf dem „Wir haben es satt!“-Kongress und Stadt Land Food-Festival über handwerklich und bäuerlich hergestellte Lebensmittel informieren und mit den Produzenten ins Gespräch kommen kann.“

Jochen Fritz, Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ und Organisator der „Wir haben es satt!“-Demonstration, erklärte die Hintergründe des Kongresses, der bereits zum zweiten Mal stattfindet: „Am 21. Januar 2017 werden wir zum siebten Mal mit Zehntausenden auf die Straße gehen, um für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft zu demonstrieren. Zum zweiten Mal trifft sich unsere breite zivilgesellschaftliche Bewegung aus ErzeugerInnen und VerbraucherInnen zu einem Kongress, um miteinander zu diskutieren und die Positionen zu schärfen. Gemeinsam ziehen wir an einem Strang für die Agrar- und Ernährungswende!“

Nikolaus Driessen, Geschäftsführer der Markthalle Neun und Veranstalter des Stadt Land Food-Festivals erläutert die enge Kooperation: „ Mit dem Stadt Land Food-Festival wollen wir zeigen, wie die Alternative einer industriellen Massenproduktion ganz praktisch aussieht, schmeckt und sich anfühlt. Das ist das Besondere an diesem Festival, dass wir Theorie und Praxis verknüpfen. Mit über 350 Workshops, Vorträgen und Tastings, 130 Ständen und 11 Werkstätten sind wir die Bühne für eine bäuerliche und handwerkliche Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung. Mitten in Berlin.“

Johanna Böse-Hartje, Bioland-Milchbäuerin und Mitglied im niedersächsischen Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, äußerte sich zur aktuellen schweren Krise der Landwirtschaft: „Jedes Jahr schließen Tausende bäuerliche Betriebe für immer ihre Tore, gerade im Milchviehbereich ist die Lage dramatisch. Dieser Tatsache müssen die Politiker in Berlin und Brüssel ins Auge blicken und sofort ein Mengenreduzierungsprogramm schaffen! Verantwortlich für den Preisverfall sind auch die Großmolkereien, die sich gegen eine Reduzierung stellen, weil sie weiterhin viel billige Milch für den Export wollen. Als Erzeuger senden wir hier zusammen mit den Verbrauchern ein klares Signal an die Politik: Das Höfesterben muss ein Ende haben – in Deutschland und weltweit!“

Denis Mpagaze, MISEREOR-Partner und Journalist aus Tansania dokumentiert für das Bauernnetzwerk MVIWATA gravierende Fälle von Landraub in Tansania. Er zeigte auf, dass die in den Industrieländern entwickelten Strategien der Agrarmodernisierung bedenkliche Auswirkungen auf die bäuerliche Landwirtschaft u.a. in Tansania haben: „In Tansania und vielen anderen Ländern ist die Landwirtschaft kleinerer und mittlerer Betriebe in großer Gefahr. Landraub durch Staaten und Großinvestoren, auch im Zuge sogenannter Agrarmodernisierungen, nehmen den Menschen die Lebensgrundlage. Das Höfesterben ist kein rein deutsches Phänomen, sondern findet weltweit statt und muss dringend gestoppt werden, um die Existenz von mehr als einer Million bäuerlicher Betriebe zu sichern!“

Rudolf Bühler, Vorsitzender der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, die das Fleisch für die Werkstatt Wurst auf dem Stadt Land Food-Festival liefert, sagte: „Gutes Fleisch von Tieren aus artgerechter Tierhaltung, handwerklich verarbeitet und regional vermarktet: Das ist zukunftsfähige Landwirtschaft. Denn sie schafft Wertschöpfung, stärkt ländliche Regionen und gibt uns Bauern Zukunft. Wir müssen weg von der immer billigeren Produktion für den Weltmarkt, stattdessen Partnerschaft leben mit den heimischen VerbraucherInnen!“

Beim anschließenden Rundgang über das Stadt Land Food-Festival wurden verschiedene Werkstätten, von Flüchtlingen betriebene Stände, der Conflict Food Cage und andere spannende Festivalpunkte besucht.

Hintergrund
Mehrere Zehntausende kommen dieser Tage rund um den Lausitzer Platz in Berlin-Kreuzberg zusammen, um gelebte Alternativen in der Lebensmittel- und Landwirtschaft kennenzulernen und über diese zu diskutieren. Entlang der Themenstränge „Landwirtschaft Macht Essen“ werden auf dem „Wir haben es satt!“-Kongress die globalen Machtverhältnisse im Agrar- und Ernährungssektor analysiert und Alternativen zu Höfesterben und Milchkrise erörtert. Auf dem Stadt Land Food-Festival können die Besucher erleben, wie handwerkliches Essen hergestellt wird und sich mit lokalen Erzeugern austauschen.

Pressekontakte
Christian Rollmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kampagne „Meine Landwirtschaft“, Tel: 030-28482438, Mobil: 0151-75142515, Mail: rollmann(at)meine-landwirtschaft.de

Lili Ingmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Stadt Land Food-Festival/Markthalle Neun, Tel.: 0176-57855468, Mail: presse(at)markthalleneun.de

Pressemitteilung vom 6.1.2016

Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern

„Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration kritisiert Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung und fordert Qualitäts- statt Exportoffensive

Berlin, 06.01.2016 | Am 16. Januar 2016 werden zum sechsten Mal tausende Menschen in Berlin für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft demonstrieren. Die „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration wirft der Bundesregierung vor, die Gewinne einer exportorientierten Agrar- und Ernährungsindustrie über die Interessen von Bäuerinnen und Bauern, dem Lebensmittelhandwerk, Umwelt- und Tierschutz sowie einer solidarischen Entwicklungspolitik zu stellen.

„Die Landwirtschaft steht am Scheideweg: Wird unser Essen zukünftig noch von Bäuerinnen und Bauern für den Bedarf einer Region erzeugt oder von Konzernen, die für den Weltmarkt produzieren? Ist die Agrarindustrie mit ihren Dumping-Exporten weiter mitverantwortlich dafür, dass Millionen Menschen weltweit hungern oder gestalten wir die Ernährungswirtschaft endlich zukunftsfähig, so dass sie niemanden zur Flucht zwingt? Diese Fragen bewegen immer mehr Menschen“, so Jochen Fritz, Sprecher der „Wir haben es satt“-Demonstration und Landwirt im Nebenerwerb. „Billig-Exporte zerstören bäuerliche Höfe weltweit. Seit 1975 sank die Zahl der Bauernhöfe allein in Deutschland von einer Million auf 285.000 Betriebe. Während der Agrarexport in den Jahren 2007 bis 2010 boomte, musste hierzulande jeder fünfte Bauernhof die Tore schließen – so viele wie fast in keinem anderen Land der EU. Der Grund: Weltmarktpreise decken die Kosten der Bauernhöfe nicht“, erläutert Fritz.

Die anhaltenden Tiefstpreise von unter 28 Cent pro Liter Milch und 1,25 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch sicherten zwar Weltmarktanteile für Molkereien und Schlachtkonzerne, drängten aber tausende Höfe zum Aufgeben. Die geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA würden den Druck auf die bäuerliche Landwirtschaft zusätzlich verschärfen. Um das Höfesterben zu stoppen, bedürfe es daher ein Umsteuern der Bundesregierung in der Agrarpolitik: mit einer Orientierung hin zu einer gesellschaftlich gewünschten Qualitätserzeugung statt ruinösen Billigexporten, mit effektivem Tierschutz, konsequenter Gentechnikfreiheit und wirksamen Umweltstandards.

Fritz weiter: „Die Tierhaltung wandert hierzulande in die Hände von Agrarindustriellen, es entstehen Tierfabriken mit 60.000 Schweinen, 2.000 Kühen oder 1 Million Hühnern. Mit überaus laschen Umweltgesetzen sorgt die Bundesregierung außerdem dafür, dass Gülletransporte aus Nachbarländern ohne verbindliche Kontrollen in Deutschland landen. Es gibt keine gesellschaftliche Akzeptanz für die staatliche Förderung von immer weiteren Tierfabriken mit hohem Antibiotikaeinsatz. Wir protestieren gegen Millionen an direkten und versteckten Subventionen für Fleischkonzerne und deren Exportfixierung. Die Bundesregierung hat die Gesellschaft hinter sich, wenn sie Steuergelder konsequent für einen Umbau der Tierhaltung umschichten würde, so wie der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz der Bundesregierung kürzlich empfohlen hat. Auch der Einsatz heimischer Futtermittel und eine handwerkliche Verarbeitung werden zunehmend von der Gesellschaft gewünscht.“

Die „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration wird von tausenden Bäuerinnen und Bauern getragen, viele von ihnen fahren mit ihren Traktoren zur Demonstration nach Berlin. Aufgerufen zur Demonstration hat ein Bündnis aus über 100 Organisationen, die sich für eine faire und verantwortliche Landwirtschaft- und Lebensmittelpolitik einsetzen.

Einladung: Pressekonferenz zur “Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration, 12. Januar 2016, 10 Uhr, Bundespresseamt (Raum 4) in der Dorotheenstraße 84, 10117 Berlin, mit anschließender Foto-Aktion „Agrarindustrie ist Mist“ um 11.30 Uhr vor dem Deutschen Bundestag (Details folgen).

Presseankündigung vom 3.12.2015

Sechste „Wir haben es satt!“-Demonstration fordert bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft

Am 16. Januar 2016 gehen zum sechsten Mal Bauern, Verarbeiter und Verbraucher in Berlin auf die Straße. Unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt! Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern!“ demonstrieren sie gemeinsam für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft.

Im Zentrum der Forderungen des breiten Bündnisses stehen dabei faire Marktbedingungen für Bauern, denn bei sinkenden Erzeugerpreisen von aktuell bereits weniger als 1,30 € pro Kilogramm Schweinefleisch und unter 0,30 € pro Liter Milch sowie zunehmender Landnahme durch Investoren würden immer mehr Betriebe ihre Tore schließen. Weitere Forderungen sind u.a. die Umsetzung des Rechts auf Nahrung weltweit, eine tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft sowie fairer Zugang zu Land weltweit.

An EU-Agrarkommissar Phil Hogan, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt appelliert das „Wir haben es satt!“-Bündnis, die Förderung von Agrarkonzernen zu beenden sowie sich für eine Qualitäts- statt für eine Exportoffensive und den Stopp der Freihandelsabkommen TTIP und CETA einzusetzen.

Die Demonstration startet am 16. Januar 2016 um 12 Uhr auf dem Potsdamer Platz in Berlin und wird von einem Treckerkorso begleitet. Weitere Informationen finden Sie unter www.wir-haben-es-satt.de.

Pressekontakte

Christian Rollmann
(allgemeine Anfragen)
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Tel. 030-28482438
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Jochen Fritz
(Pressesprecher)
fritz(at)meine-landwirtschaft.de
Mobil: 0171-8229719

Reinhild Benning
(Germanwatch)
benning(at) germanwatch.org
Mobil: 0175-7263779

Uli Jasper
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
jasper (at) abl-ev.de
Mobil: 0160/94804331