Presse

Gemeinsame Pressemitteilung

Schulterschluss von Bauern und Verbrauchern: Starkes Signal gegen Agrarindustrie

23 000 Menschen demonstrieren in Berlin für bäuerliche Zukunftslandwirtschaft

Trotz eisiger Temperaturen und angeführt von 130 Traktoren – so viele wie nie zuvor – haben heute 23 000 Bauern und Verbraucher gemeinsam in Berlin für eine Agrarwende demonstriert. Unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt! Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern“ zogen sie zum Bundeskanzleramt und forderten von der Bundesregierung die Weichen für eine bäuerliche und ökologischere Zukunftslandwirtschaft zu stellen. Bauern, Imker, Tier- und Naturschützer, Aktive in der Entwicklungszusammenarbeit, Lebensmittelhandwerker und Köche demonstrierten für Bauernhöfe, die umwelt- und klimafreundlich wirtschaften, damit das Recht auf Nahrung weltweit sichern, starke Strukturen im ländlichen Raum erhalten, artgerechte Tierhaltung verwirklichen, gentechnikfrei arbeiten und deren Grundsatz fairer Handel ist.

„Angesichts der katastrophalen und strukturzerstörenden Erzeugerpreise für Milch und Schweinefleisch ermutigen dieser starke Rückhalt und die Wertschätzung der Gesellschaft, den Kampf für den Erhalt unserer Höfe energisch zu führen“, so Ottmar Ilchmann, Milchbauer aus Ostfriesland. „Die Agrarpolitik in Berlin und Brüssel ist verantwortlich für die Rahmenbedingungen, die zu Überproduktion und Erzeugerpreisen deutlich unter den Produktionskosten führen. Dabei zerstören Agrarexporte zu Dumpingpreisen für den Weltmarkt bäuerliche Strukturen und regionale Märkte für Bauern hier und in der ganzen Welt. Die Bundesregierung muss jetzt umsteuern, damit es sich für Bauern lohnt, gute Lebensmittel für den heimischen Markt zu produzieren.“

Der lange Trecker-Konvoi wurde von der Menge auf dem Potsdamer Platz jubelnd empfangen. „Die Bauern stehen in der Mitte der Gesellschaft“, kommentierte Jochen Fritz, Landwirt und Sprecher der Demonstrations-Bündnisses „Wir haben es satt!“ den gemeinsamen Protest. „Die Menschen wollen, dass Bauern und nicht Konzerne ihr Essen erzeugen, sie wollen gesundes Essen, keine Gentechnik auf dem Acker, im Trog und auf dem Teller, sie wollen, dass Tiere auf der Weide grasen können, Schweine auf Stroh stehen und keine Schwänze oder Schnäbel abgeschnitten werden. Und die Bauern sind bereit dafür! Worauf wartet die Bundesregierung?“, so Fritz weiter.

Auch Sarah Wiener, Köchin aus Berlin, forderte einen Umbau des Ernährungssystems: „Wir wollen den Wandel mit Fairness und Genuss! Gute, köstliche Lebensmittel bekommen wir nur, wenn wir achtsam mit unserer Umwelt, den Pflanzen und Tieren umgehen. Wenn wir verstehen, dass wir mit der Natur arbeiten müssen und nicht gegen sie, werden wir die Wertschätzung für das, was uns ernährt wieder erlangen. Davon profitieren die Bauern, die Böden und die Nutztiere.“

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Aufgerufen zur sechsten „Wir haben es satt!“-Demonstration anlässlich der Grünen Woche hatte ein breites gesellschaftliches Bündnis von über 100 Organisationen aus Landwirtschaft, Imkerei, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz, Entwicklungsorganisationen und dem Lebensmittelhandwerk. Weitere Informationen unter www.wir-haben-es-satt.de

Fotos:

Bilder der Demonstration stehen Ihnen unter folgendem Link zur Verfügung:
flic.kr/s/aHskpn2uVw
Alle Fotos: „Volker Gehrmann / Jan Ganschow“

Kontakt:

Interview-Anfragen:           

Jochen Fritz, fritz@meine-landwirtschaft.de, Tel.: 0171-8229719

Reinhild Benning, benning@germanwatch.org, Tel.: 0175-7263779

Ulrich Jasper, jasper@abl-ev.de, Tel.: 0160-94804331

Allgemeine Anfragen:       

Iris Kiefer, kiefer@wir-haben-es-satt.de, Tel.: 0176-2352205

 

Zu den einzelnen Themen finden Sie hier Statements der Rednerinnen und Redner:

Zu den geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Bäuerliche Betriebe und die Verbraucher sind die Verlierer der Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Die Agrarindustrie will über TTIP und CETA Verbraucherschutzstandards senken. Hormonfleisch und Gen-Food ohne Kennzeichnung könnten dann auch in unseren Supermarktregalen landen. Das Gentechnikkapitel in CETA zeigt, dass die EU-Kommission beim Verbraucherschutz zu faulen Kompromissen bereit ist. Anstatt ihn zu schwächen muss die Bundesregierung endlich dafür sorgen, dass der Verbraucherschutz gestärkt wird".

Zu Tierschutz in der Landwirtschaft

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes

„Die Demo ‚Wir haben es satt‘ zeigt: Es gibt eine eklatante Lücke zwischen dem vollzogenen Wertewandel in der Mitte der Gesellschaft und dem Vollzug des Tierschutzgesetzes. Dafür sind der Bundesminister und die Bundesregierung verantwortlich. Wir dürfen nicht mehr zulassen, dass diese Bundesregierung im Tierschutz immer rückwärts denkt und damit glaubt, vorwärts zu kommen. Jeder Schritt von Bundesagrarminister Schmidt, gerade der freiwillige, ist anzuerkennen und zu loben, wenn damit ein Mehrwert für Tier und Umwelt verbunden ist. Aber das darf einen Gesetzgeber nicht dazu verlocken, seine Pflichten nicht wahrzunehmen.“

Zur Perspektive des globalen Südens zum Thema Milch

Kerstin Lanje, Agrarexpertin von Misereor

„In Burkina Faso unterbieten Milchexporte aus Europa den heimischen Milchpreis mittlerweile um über 60 Prozent. Diese Politik verursacht Armut und Hunger. Deswegen müssen wir die Exporte zu ‚Dumpingpreisen‘ in Länder des globalen Südens, die die Lebensgrundlage der Bauern vor Ort zerstören, sofort stoppen. Gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern fordern wir politische Rahmenbedingungen zur Beendigung der Überproduktion und Exportorientierung bei Fleisch und Milch in Europa!“

Zum Thema Landwirtschaft und Gesellschaft

Chris Methmann, Agrarexperte von Campact

„Dass Bauern zusammen mit Verbrauchern demonstrieren, Tierschützer mit Tierhaltern, Veganer und Milchbauern zusammen auf die Straße gehen, zeigt: Die Bewegung für eine andere Landwirtschaft kommt aus allen Teilen der Gesellschaft. Zusammen werden wir die Agrarwende durchsetzen. Die sechste ‚Wir haben es satt‘-Demo zeigt endgültig: Wir sind gekommen, um zu bleiben!“

Zum Thema Ökolandbau

Christina Henatsch, Demeter-Bäuerin auf Gut Wulfsdorf

„Ein ‚Weiter-so‘ wie bisher zerstört unsere Lebensgrundlagen. Wir müssen umsteuern und unsere Landwirtschaft fit für die Zukunft machen. Millionen Bio-Bauern überall auf der Welt zeigen heute schon wie man gesunde Lebensmittel herstellt und dabei Klima und Trinkwasser schützt, den Boden fruchtbar hält, Tiere wesensgemäß behandelt und Hunger auf dem Land bekämpft.“

Zum Thema Ernährungssouveränität

Julia BarTal, 15th Garden

„Der 16. Januar wurde auch zum internationalen Kampagnen-Tag gegen die Belagerung von ganzen Städten und Gemeinden in Syrien ausgerufen. Wer Ernährungssouveränität fordert, kann nicht wegsehen, wenn Menschen von ihrem eigenen Regime in das politische Aufgeben gehungert werden. Dieser seit Jahren andauernden Praktik sind hunderttausende Menschen in ganz Syrien ausgesetzt – mit dem Wissen und dem Wegsehen der internationalen Gemeinschaft. Wir wehren uns gegen das Erschließen neuer Märkte für die Interessen von Monsanto, Bayer und Co. unter dem Deckmantel der humanitären und entwicklungspolitischen Hilfe. Menschen in Kriegen zu unterstützen kann und darf nicht für die Interessen von großen Agrarkonzernen geschehen.“

Pressemitteilung

Bauern und Verbraucher gemeinsam für zukunftsfähige Landwirtschaft

Repräsentative Forsa-Umfrage zeigt: über 70 Prozent der Bauern befürworten Qualitäts-Kennzeichnung von Milch- und Fleischprodukten

Berlin, 12.01.2016 | Unter dem Motto „Agrarindustrie ist Mist“ wurde heute eine große Fuhre Mist vor dem Bundestag auf die Straße gekippt, gespickt mit Schildern auf denen „Gentechnik“, „TTIP“, „Tierfabriken“ und „Existenzbedrohende Milchpreise“ zu lesen war. Die Aktion unterstrich das Motto der „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Großdemonstration am kommenden Samstag in Berlin.

Zuvor hatte das Demonstrationsbündnis eine repräsentative Forsa-Umfrage unter Bauern vorgestellt. Demnach ist die Mehrheit der Landwirte in Deutschland der Meinung, dass eine qualitative Kennzeichnung von Fleisch- und Milch­produkten eingeführt werden sollte. 85 Prozent befürworten eine Herkunftskennzeichnung, 75 Prozent wollen, dass erkennbar ist, wenn Gentechnik-Futtermittel im Trog waren und 71 Prozent stimmen für eine Kennzeichnung der Tierhaltungsform.

„Agrarminister Schmidt drückt sich mit der freiwilligen Tierwohldiskussion vor tatsächlicher Transparenz bei Fleisch und Milch. Das haben Bauern gründlich satt“, sagte Reinhild Benning, Agrarexpertin von Germanwatch. „Nur mit der Kennzeichnungspflicht bekommen Bauern aus der Region, mit besonders tiergerechter Haltung und heimischen Futtermitteln eine faire Chance, dass Verbraucher ihre Produkte erkennen und angemessen  bezahlen. Mit der Pflichtkennzeichnung muss die Bundesregierung die Irreführung von Verbrauchern stoppen und dafür Sorge tragen, dass diese auch erkennen können, was sie meiden wollen – wie zum Beispiel Gentechnik im Futter.“

Johanna Böse-Hartje, Milchbäuerin aus Niedersachsen: „Wenn Bauern für einen Liter Milch 20 Cent weniger erhalten als das, was sie an Kosten hatten, können sie ihre Betriebe auf Dauer nicht halten. Doch immer mehr Landwirte sehen das Potenzial von regionalen Lebensmitteln und Produkten aus tier- und umweltgerechter Haltung ohne Gentechnik-Einsatz und wollen es besser nutzen, denn die Verbraucher fragen danach. Die „Wir haben es satt!“-Demonstrationen sind aus der Überzeugung entstanden, dass wir einen Umbau der Landwirtschaft nur im Schulterschluss zwischen Bäuerinnen und Bauern, ob bio oder konventionell, und den Verbrauchern erreichen können.“

Kannaiyan Subramaniam, Milchbauer aus Indien und Landwirtevertreter, beschrieb die Auswirkungen europäischer Landwirtschaft: „Wir sind sehr froh, dass ein Großteil der deutschen Bauern erkannt hat, dass der Export von Milchpulver zu Dumpingpreisen keine Chance für sie bietet. Denn der Import von europäischem Milchpulver 2009 und 2011 hatte desaströse Folgen für die Milchbauern in Indien. Heute leiden indische Bauern unter einer ähnlichen Milchkrise wie die Bauern in Europa und können ihre Milch nur sehr billig vermarkten. Wenn der Milchmarkt weiter geöffnet wird, wird die bäuerliche Milchproduktion in Indien – und das betrifft 70 Millionen Familien – komplett kollabieren.“

Böse-Hartje abschließend: „Gemeinsam werden am 16. Januar 2016 tausende Bäuerinnen und Bauern zusammen mit vielen anderen engagierten Menschen für eine ökologischere und bäuerliche Landwirtschaft hier und weltweit auf die Straße gehen. Und es werden wieder viele Dutzend Traktoren sein, die unseren Demozug begleiten und noch kraftvoller machen.“

Die „Wir haben es satt!“-Demonstration findet zum sechsten Mal zeitgleich mit der Internationalen Grünen Woche in Berlin statt. Immer mehr Menschen setzen sich ein für eine Agrarwende, damit es der Landwirtschaft, Menschen, Tieren und Umwelt besser geht. Die Demonstration wendet sich einmal mehr gegen Gentechnik in der Landwirtschaft, gegen Agrarindustrie und die Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Außerdem steht die Solidarität mit den Milchbauern im Zentrum der Kundgebungen am Potsdamer Platz und am Bundeskanzleramt.

Pressemitteilung vom 6.1.2016

Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern

„Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration kritisiert Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung und fordert Qualitäts- statt Exportoffensive

Berlin, 06.01.2016 | Am 16. Januar 2016 werden zum sechsten Mal tausende Menschen in Berlin für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft demonstrieren. Die „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration wirft der Bundesregierung vor, die Gewinne einer exportorientierten Agrar- und Ernährungsindustrie über die Interessen von Bäuerinnen und Bauern, dem Lebensmittelhandwerk, Umwelt- und Tierschutz sowie einer solidarischen Entwicklungspolitik zu stellen.

„Die Landwirtschaft steht am Scheideweg: Wird unser Essen zukünftig noch von Bäuerinnen und Bauern für den Bedarf einer Region erzeugt oder von Konzernen, die für den Weltmarkt produzieren? Ist die Agrarindustrie mit ihren Dumping-Exporten weiter mitverantwortlich dafür, dass Millionen Menschen weltweit hungern oder gestalten wir die Ernährungswirtschaft endlich zukunftsfähig, so dass sie niemanden zur Flucht zwingt? Diese Fragen bewegen immer mehr Menschen“, so Jochen Fritz, Sprecher der „Wir haben es satt“-Demonstration und Landwirt im Nebenerwerb. „Billig-Exporte zerstören bäuerliche Höfe weltweit. Seit 1975 sank die Zahl der Bauernhöfe allein in Deutschland von einer Million auf 285.000 Betriebe. Während der Agrarexport in den Jahren 2007 bis 2010 boomte, musste hierzulande jeder fünfte Bauernhof die Tore schließen – so viele wie fast in keinem anderen Land der EU. Der Grund: Weltmarktpreise decken die Kosten der Bauernhöfe nicht“, erläutert Fritz.

Die anhaltenden Tiefstpreise von unter 28 Cent pro Liter Milch und 1,25 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch sicherten zwar Weltmarktanteile für Molkereien und Schlachtkonzerne, drängten aber tausende Höfe zum Aufgeben. Die geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA würden den Druck auf die bäuerliche Landwirtschaft zusätzlich verschärfen. Um das Höfesterben zu stoppen, bedürfe es daher ein Umsteuern der Bundesregierung in der Agrarpolitik: mit einer Orientierung hin zu einer gesellschaftlich gewünschten Qualitätserzeugung statt ruinösen Billigexporten, mit effektivem Tierschutz, konsequenter Gentechnikfreiheit und wirksamen Umweltstandards.

Fritz weiter: „Die Tierhaltung wandert hierzulande in die Hände von Agrarindustriellen, es entstehen Tierfabriken mit 60.000 Schweinen, 2.000 Kühen oder 1 Million Hühnern. Mit überaus laschen Umweltgesetzen sorgt die Bundesregierung außerdem dafür, dass Gülletransporte aus Nachbarländern ohne verbindliche Kontrollen in Deutschland landen. Es gibt keine gesellschaftliche Akzeptanz für die staatliche Förderung von immer weiteren Tierfabriken mit hohem Antibiotikaeinsatz. Wir protestieren gegen Millionen an direkten und versteckten Subventionen für Fleischkonzerne und deren Exportfixierung. Die Bundesregierung hat die Gesellschaft hinter sich, wenn sie Steuergelder konsequent für einen Umbau der Tierhaltung umschichten würde, so wie der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz der Bundesregierung kürzlich empfohlen hat. Auch der Einsatz heimischer Futtermittel und eine handwerkliche Verarbeitung werden zunehmend von der Gesellschaft gewünscht.“

Die „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration wird von tausenden Bäuerinnen und Bauern getragen, viele von ihnen fahren mit ihren Traktoren zur Demonstration nach Berlin. Aufgerufen zur Demonstration hat ein Bündnis aus über 100 Organisationen, die sich für eine faire und verantwortliche Landwirtschaft- und Lebensmittelpolitik einsetzen.

Einladung: Pressekonferenz zur “Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration, 12. Januar 2016, 10 Uhr, Bundespresseamt (Raum 4) in der Dorotheenstraße 84, 10117 Berlin, mit anschließender Foto-Aktion „Agrarindustrie ist Mist“ um 11.30 Uhr vor dem Deutschen Bundestag (Details folgen).

Presseankündigung vom 3.12.2015

Sechste „Wir haben es satt!“-Demonstration fordert bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft

Am 16. Januar 2016 gehen zum sechsten Mal Bauern, Verarbeiter und Verbraucher in Berlin auf die Straße. Unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt! Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern!“ demonstrieren sie gemeinsam für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft.

Im Zentrum der Forderungen des breiten Bündnisses stehen dabei faire Marktbedingungen für Bauern, denn bei sinkenden Erzeugerpreisen von aktuell bereits weniger als 1,30 € pro Kilogramm Schweinefleisch und unter 0,30 € pro Liter Milch sowie zunehmender Landnahme durch Investoren würden immer mehr Betriebe ihre Tore schließen. Weitere Forderungen sind u.a. die Umsetzung des Rechts auf Nahrung weltweit, eine tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft sowie fairer Zugang zu Land weltweit.

An EU-Agrarkommissar Phil Hogan, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt appelliert das „Wir haben es satt!“-Bündnis, die Förderung von Agrarkonzernen zu beenden sowie sich für eine Qualitäts- statt für eine Exportoffensive und den Stopp der Freihandelsabkommen TTIP und CETA einzusetzen.

Die Demonstration startet am 16. Januar 2016 um 12 Uhr auf dem Potsdamer Platz in Berlin und wird von einem Treckerkorso begleitet. Weitere Informationen finden Sie unter www.wir-haben-es-satt.de.

Gemeinsame Pressemitteilung vom 17.1.2015

50 000 Menschen fordern den Stopp von Tierfabriken, Gentechnik und TTIP

Bauern und Verbraucher gehen vereint für eine Agrarwende auf die Straße

Berlin, 17.01.2015 | Am heutigen Samstag gingen in Berlin zum fünften Mal Bäuerinnen und Bauern, Imkerinnen und Imker zusammen mit Verbraucherinnen und Verbrauchern für eine grundlegend andere Agrarpolitik auf die Straße. Das Bündnis fordert von der Bundesregierung eine klare Absage an das EU-USA-Handelsabkommen TTIP, einen wirksamen gesetzlichen Schutz der Land- und Lebensmittelwirtschaft vor der Gentechnik sowie den sofortigen Stopp des weiteren Ausbaus von Mega-Ställen. Ein Traktorenkonvoi mit über 90 Traktoren führte den Zug  von 50 000 DemonstrantInnen an.

Das „Wir haben es satt!“-Bündnis hat in den letzten Jahren viel erreicht: TTIP ist in aller Munde und 97% der Europäer lehnen mehr Macht für Konzerne ab. Bürgerinitiativen haben mit Hilfe des neuen Baugesetzes mehr als 100 Mega-Ställe verhindert. Gentechnik hat durch das Engagement einer breiten Bewegung auf unseren Äckern keinen Fuß gefasst. Doch dies sind nur die Anfänge einer dringend notwendigen Agrarwende für eine Zukunft der Landwirtschaft in bäuerlicher Hand mit Rückhalt in der Gesellschaft.

„Das EU-USA-Handelsabkommen (TTIP) dient einseitig global agierenden Konzernen und wird vielen bäuerlichen Betrieben hier und weltweit  die Existenzgrundlage entziehen. Gleichzeitig drohen die Verbraucherstandards gesenkt zu werden“, sagt Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses. „Das heißt mehr Gentechnik im Trog und Hormonfleisch durch die Hintertür. Deswegen fordern wir von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel TTIP zu stoppen!“

Auch die Agrarpolitik der Bundesregierung wird von den Veranstaltern scharf kritisiert: Sie habe dazu beigetragen, dass beispielsweise seit dem Jahr 2000 mehr als Dreiviertel der SchweinehalterInnen aufgegeben haben, während Fleischkonzerne zunehmend die Tierhaltung übernähmen. Trotz eines Selbstversorgungsgrades mit Fleisch von 120 % würden weiter Mega-Ställe in Deutschland genehmigt. 

„Die Strategie, die Produktion immer weiter auszudehnen, was zu Dumping-Exporten auf dem Weltmarkt führt, ist gescheitert. Die Landwirtschaft in Deutschland braucht eine Zukunft jenseits von Tierfabriken und Mega-Schlachthöfen“, so Fritz weiter. „Wenn die Bundesregierung jetzt nicht handelt, zementiert sich eine agrarindustrielle Struktur, die nicht mehr veränderbar ist. Die Zukunft liegt in der Ernährungssouveränität auf Basis regionaler Märkte.“

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Zu den einzelnen Themen finden Sie hier Statements der Rednerinnen und Redner:

Zu bäuerlicher Landwirtschaft

Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL):

„Aktuelle Erzeugerpreise von 1,30 Euro pro Kilo Schweinefleisch und 28 Cent pro Liter Milch zerstören die Existenzen vieler bäuerlicher Betriebe. Doch die Bundesregierung rät den Bauern weiter zum ‚Wachsen oder Weichen‘. Sie räumt dem Export höchste Priorität ein und bedient damit die Interessen der Agrarindustrie nach billigen Rohstoffen. Wir fordern als Bäuerinnen und Bauern die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen für faire Preise und für kleine und mittlere bäuerliche Betriebe deutlich zu verbessern. Dafür kämpfen wir weiter im Bündnis mit der Zivilgesellschaft.“

Zum Freihandelsabkommen TTIP

Christoph Bautz, Geschäftsführer von Campact:

"Wenn Monsanto, Bayer und Co. mit TTIP und CETA Gentechnik-Verbote aushebeln können, dann trifft das auf den breiten Widerstand der Bevölkerung. Private Schiedsgerichte, vor denen Konzerne Staaten verklagen können, sind ein Angriff auf Verbraucherrechte und unseren Rechtsstaat. Doch der heutige Tag zeigt, welch kraftvolle Bürgerbewegung gegen TTIP und CETA entsteht."

Zu Tierfabriken

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Der Protest gegen die bisherige Agrarpolitik bringt erste Erfolge. Dank bundesweit rund 250 Bürgerinitiativen wurden mehr als 100 geplante Riesen-Ställe nicht gebaut. Endlich werden artgerechte Ställe stärker gefördert und Agrarminister Schmidt hat angekündigt, gegen den überhöhten Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung vorzugehen. Noch immer profitieren Fleischkonzerne und Handelsketten davon, dass die Agrarindustrie ihre Produktionskosten auf die Allgemeinheit abwälzt. Zugleich wächst das Bewusstsein der Verbraucher über die Risiken und Nebenwirkungen der industriellen Landwirtschaft. Die Lebensmittelerzeugung in bäuerlichen und mittelständischen Betrieben muss endlich vor unfairen Wettbewerbsbedingungen geschützt werden und mehr Anerkennung finden."

Zu der internationalen, bäuerlichen Perspektive

Elizabeth Mpofu, Internationales Sekretariat von La Via Campesina:

„Wir Kleinbauern brauchen Schutz vor einer Industrialisierung von Landwirtschaft und Ernährungssystemen, die im Namen von Fortschritt und Wachstum von den Multinationalen Konzernen, aber auch der Politik vorangetrieben wird. Eines von vielen negativen Beispielen, die eine Bedrohung von Kleinbauern darstellt, ist die sogenannte  New Alliance for Food Security and Nutrition der G7 Staaten. Diese Initiativen stehen dafür was wir nicht wollen. Nicht in Afrika und nicht in Europa. Was wir fordern ist eine globale Ernährungswende im Sinne von Ernährungssouveränität und Agrarökologie.“

Stig Tanzmann, Landwirtschaftsexperte von Brot für die Welt:

„Die Politik auf deutscher, europäischer und globaler Ebene muss endlich die Grundlagen dafür schaffen, dass die Bäuerinnen und Bauern, die die Ernährung der Welt sichern, angemessen für ihre harte Arbeit entlohnt werden und eine gesicherte Zukunft haben. Dies verlangt aus unserer Sicht eine radikale Abkehr einer Exportorientierung und dem Dogma Wachse oder Weiche. Die Produzenten von Lebensmitteln dürfen nicht länger von Agrarkonzernen gegeneinander ausgespielt werden, um ihre Profite zu sichern.“

Zu Gentechnik

Sabine Obermeier, Junges Bioland:

„Niemand kann die Wirkung von GVOs in Ökosystemen vorhersagen, auch nicht nach jahrelanger Forschung. So bleibt Gentechnik ein unberechenbares Risiko! Auf Kosten der genetischen Vielfalt wirtschaften, das kann nicht die Landwirtschaft der Zukunft sein. Mit Vielfalt wollen wir der Zukunft den Hof machen: Biodiversität und Unabhängigkeit bei der Wahl des Saatgutes sind wichtige Schlüssel dazu.“

www.wir-haben-es-satt.de

 

Fotos:

Bilder der Demonstration stehen Ihnen unter folgendem Link zur Verfügung:

https://www.flickr.com/photos/80493129@N08/sets/72157647995393114/ Alle Fotos: „DieAusloeser.net,

Berlin“

Informationen:

Die Demo-Forderungen beruhen auf den Fakten des Weltagrarberichts, in dem 400 internationale WissenschaftlerInnen eine Neuausrichtung der Landwirtschaft fordern: www.weltagrarbericht.de

 

 

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